Kleinigkeiten machen den Unterschied

Enge Kiste im Rheinland: s.Oliver Würzburg unterliegt bei den Telekom Baskets mit 75:78 (31:32) – Bonner Dreierquote der entscheidende Faktor

(Foto: Heiko Becker)

s.Oliver Würzburg hat am 9. Spieltag der easyCredit BBL die vierte Niederlage in Folge einstecken müssen: Nach einem echten Sonntags-Krimi vor 5.320 Zuschauern im Bonner Telekom Dome mussten sich die Unterfranken den Gastgebern knapp mit 75:78 (31:32) geschlagen geben. Top-Scorer der Partie waren Robin Benzing (21 Punkte) auf Seiten von s.Oliver Würzburg und Anthony DiLeo (20 Punkte / 8 von 9 aus dem Feld) für die Telekom Baskets Bonn.

Dabei sah es zunächst nicht so aus, als könnten sich die Zuschauer auf eine spannende Partie freuen: In den ersten vier Minuten trafen die Bonner drei Dreier in Serie (4 von 5 im ersten Viertel) und zogen damit erst einmal auf 11:0. Auf Würzburger Seite war erst der achte Wurfversuch des Spiels – ein Korbleger von Abdul Gaddy – erfolgreich. In der Folge kämpften sich die Gäste dann aber sehr schnell wieder zurück ins Spiel. Auch Neuzugang Vaughn Duggins war mit vier Punkten daran beteiligt, dass die Rheinländer trotz ihrs Blitzstarts nach dem ersten Viertel nur mit 22:18 vorne lagen.

Im zweiten Abschnitt zeigte die intensive Verteidigung der Unterfranken dann richtig Wirkung: Zwischen der 12. und der 20. Minute gelangen den Hausherren nur zwei Punkte von der Freiwurflinie. Zwar lief bei den Würzburgern die Offensive auch nicht wirklich richtig rund, ein Dreier von Cliff Hammonds und vier Punkte von Robin Benzing brachten am Ende des 12:2-Laufs aber die erste Gäste-Führung im Spiel (28:32). TJ DiLeo beendete die Bonner Flaute mit seinem ersten von insgesamt vier erfolgreichen Drei-Punkte-Würfen zum 31:32 – gleichzeitig der Halbzeitstand.

TJ DiLeo mit dem besten Spiel seiner Karriere

Auch der Start in die zweiten zwanzig Minuten gehörte den Gastgebern: TJ DiLeo und Josh Mayo holten den Bonnern mit zwei Dreiern zum 37:34 die Führung zurück (22. Minute). Auch im weiteren Spielverlauf trafen die Gastgeber fast jeden Wurf von außen – sieben von zehn Dreierversuchen in Halbzeit zwei waren drin. Die Unterfranken ließen sich zunächst nicht beeindrucken und kamen nach kleinen Rückständen immer wieder sofort zurück: Einen Bonner 47:43-Vorsprung in der 29. Minute konterten Abdul Gaddy, Kresimir Loncar und Vytenis Lipkevicius mit einem 8:0-Zwischenspurt – die beiden Dreier des Würzburger Kapitäns und des Litauers drehten den Spielstand auf 47:51 nach dem dritten Viertel.

Zwei Ballgewinne von TJ DiLeo gleich zu Beginn des Schlussabschnitts brachten das Momentum schnell wieder zurück auf die Seite der Gastgeber: Den ersten Fastbreak schloss DiLeo selbst per Korbleger ab, den zweiten konnte Vytenis Lipkevicius nur mit einem von den Unparteiischen als unsportlich gewerteten Foul stoppen, das die Bonner durch einen Freiwurf von Konstantin Klein und einen Dreier von Malcolm Hill zur 53:51-Führung nutzten.

Die Gäste blieben weiter dran und lieferten den Bonnern einen harten Kampf bis in die letzten Sekunden. Drei Minuten vor dem Ende traf Abdul Gaddy einen Freiwurf zum 64:65, die Gastgeber antworteten mit einem 7:0-Lauf zum 71:65. Dirk Bauermann nahm die Auszeit, Würzburg kämpfte sich auf 71:70 heran, dann traf Yorman Polas Bartolo einen weiteren Dreier zum 74:70. Und auch das war mit 22,4 Sekunden auf der Spieluhr noch nicht die Entscheidung: Robin Benzing hatte 7,1 Sekunden vor Schluss die Möglichkeit, mit drei Freiwürfen den Ausgleich zu schaffen. Ausgerechnet in dieser Saison ließ der bislang beste Freiwerfer der Liga einen liegen, wie auch schon wenige Sekunden zuvor.

Im Gegenzug machte Josh Mayo auf der anderen Seite mit zwei Freiwürfen den Deckel drauf – der letzte Würzburger Dreierversuch ging nur noch an den Ring. „Gerade in dieser Situation muss ich meine Freiwürfe reinmachen, da gibt es keine Ausreden“, gab sich der Kapitän der Nationalmannschaft selbstkritisch: „Leider haben wir heute auch wieder fast 80 Punkte kassiert. Respekt an Bonn, sie haben verdient gewonnen“, sagte Benzing.

Durch den knappen 78:75-Erfolg sind die Telekom Baskets Bonn in der Tabelle an s.Oliver Würzburg vorbeigezogen und belegen direkt vor den Unterfranken Platz acht. Im letzten Spiel vor der Länderspielpause trifft s.Oliver Würzburg am kommenden Samstag in der Turnhölle auf die Wölfe aus Weißenfels: Um 20:30 Uhr ist der Mitteldeutsche BC in der s.Oliver Arena zu Gast.


Telekom Baskets Bonn – s.Oliver Würzburg 78:75 (22:18, 9:14, 16:19, 31:24)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Robin Benzing 21 Punkte/2 Dreier, Abdul Gaddy 15/1, Cliff Hammonds 11/3, Ryan Anderson 6, Leon Kratzer 6, Vaughn Duggins 6, Maurice Stuckey 4, Kresimir Loncar 3/1, Vytenis Lipkevicius 3/1, Osvaldas Olisevicius.

Top-Performer Bonn:
DiLeo 20/4 (5 Assists), Gamble 13, Mayo 12/2, Hill 11/1, Bartolo 10/3.

Key Stats
Drei-Punkte-Würfe: Würzburg 8 von 22 (36 Prozent) – Bonn 12 von 19 (63 Prozent)
Punkte aus Schnellangriff: Würzburg 0 – Bonn 6

 

Stimmen zum Spiel:


Leon Kratzer, s.Oliver Würzburg

„Wir sind schlecht in die Partie gestartet, haben uns dann aber gut reingekämpft. Diese Niederlage ist einfach ärgerlich. Kleinigkeiten haben am Ende den Unterschied ausgemacht, TJ DiLeo und Yorman Polas Bartolo haben die wichtigen Dreier reingemacht.“

Dirk Bauermann, Headcoach s.Oliver Würzburg
„Glückwunsch an Predrag Krunic und seine Spieler. Ohne Frage hatten beide Teams heute die Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen, und beide hätten den Sieg auch verdient gehabt. Meine Mannschaft hat sich am Anfang von der Stimmung in der Halle anstecken lassen, aber wir haben uns nach einem richtig schwachen Start sehr stark ins Spiel zurückgekämpft. Leider hatten wir bei der Vier-Punkte-Führung am Anfang des vierten Viertels zwei unnötige Ballverluste. TJ DiLeo hat heute in der Offensive sicher das stärkste Spiel seiner Karriere gemacht, da kann man sich für so einen tollen Jungen nur freuen. Wir hatten es selbst in der Hand, das Spiel zu gewinnen. Bonn war am Ende die etwas glücklichere Mannschaft. Von unserer Leistung können wir aber viel mitnehmen. Wir müssen jetzt zuhause gegen den MBC dafür sorgen, dass wir das Spiel gewinnen und mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen.“

Predrag Krunic, Headcoach Telekom Baskets Bonn
„Es war ein sehr intensives Spiel, in dem beide Mannschaften in der Verteidigung unheimlich viel investiert haben. Wir konnten unseren guten Start nicht dazu nutzen, uns deutlicher abzusetzen. Statt dessen haben wir uns vor allem in der zweiten Hälfte zu viele einfache Fehler geleistet.“

 

 

12.11.2017

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