BAYREUTH AUS DEM RENNEN GEWORFEN 

Da waren es nur noch fünf Kandidaten für die verbliebenen beiden Playoff-Plätze der easyCredit BBL: s.Oliver Würzburg hat medi bayreuth am Dienstagabend mit einem souverän herausgespielten 99:84-Auswärtserfolg in der Oberfrankenhalle endgültig aus dem Rennen geworfen und durch Saisonsieg Nummer 16 Rang acht in der Tabelle zurückerobert. Den Grundstein für den deutlichen Sieg legten die Schützlinge von Headcoach Denis Wucherer, der am Dienstag seinen 46. Geburtstag feierte, mit einer bärenstarken ersten Halbzeit, die sie mit 53:36 für sich entscheiden konnten. Es war ein Erfolg der gesamten Mannschaft: Zehn Spieler trugen sich in die Scorerliste ein, sechs von ihnen zweistellig - allen voran Skyler Bowlin, der seine 18 Punkte komplett von der Dreierlinie erzielte. 

(Foto: Marcus Förster)

An der Verletztenliste und an der Aufstellung hatte sich im Vergleich zur Auswärtsniederlage zwei Tage zuvor in Berlin nichts geändert - neben Johannes Richter, Jordan Hulls und Joshua Obiesie fiel auch Gabriel Olaseni erneut aus. Das ließen sich die Unterfranken vor 3.000 Zuschauern in der Oberfrankenhalle aber zu keiner Phase des Spiels anmerken: „Die Jungs haben quasi auf Knopfdruck die nötige Energie und die richtige Einstellung gefunden“, sagte Denis Wucherer hinterher. Auf dem Weg zum schönsten Geburtstagsgeschenk, das eine Mannschaft ihrem Trainer machen kann, spielte sein Team vor allem in der ersten Halbzeit phasenweise wie aus einem Guß und brachte auch deutlich mehr Intensität als die Gastgeber aufs Parkett. 

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Einfache Wurfchancen für die Bayreuther gab es nur selten, vorne lief der Ball gut durch die Reihen und die Würfe fielen reihenweise. Die ersten sieben Wurfversuche innerhalb der Dreierlinie waren erfolgreich, dazu kamen vier Drei-Punkte-Treffer durch Cameron Wells, Devin Oliver und zweimal Skyler Bowlin im ersten Viertel. Außerdem dominierten die Gäste in der Anfangsphase die Bretter und kamen immer wieder zu zweiten Chancen: In der 4. Minute sicherte sich Xavier Cooks einen Offensivrebound und brachte s.Oliver Würzburg mit 5:11 in Front. In der 7. Minute erzielte Mike Morrison bereits seine Zähler Nummer sieben und acht des Spiels und legte den Ball zum 10:20 in den Bayreuther Korb, im nächsten Angriff profitierte Cameron Wells von einem weiteren Offensivrebound und traf den Sprungwurf zum 10:22. 

 

NÖTIGE ENERGIE UND RICHTIGE EINSTELLUNG AUF KNOPFDRUCK 

Bis zum Ende des ersten Viertels konnte Bayreuth durch zwei Dreier ihres Topscorers David Stockton (19 Punkte) zwar leicht verkürzen (22:30), dann legte s.Oliver Würzburg in den ersten fünf Minuten des zweiten Abschnitts in der Verteidigung aber noch einmal eine Schippe drauf: Ein 11:1-Lauf schraubte den Vorsprung auf 23:41 (15. Minute). Am Ende der ersten Halbzeit hatte diese deutliche Führung immer noch Bestand - Youngster Fynn Fischer erzielte seine ersten BBL-Punkte zum Pausenstand von 36:53. 

Die Gastgeber kamen deutlich entschlossener aus der Kabine und investierten zu Beginn des dritten Viertels deutlich mehr in der Verteidigung - nachdem s.Oliver Würzburg in der gesamten ersten Halbzeit nur einen Turnover hatte, erzwang Bayreuth in den ersten gut zwei Minuten des dritten Viertels drei Ballverluste und konnte durch einen 10:3-Lauf auf 46:56 verkürzen. Denis Wucherer nahm eine Auszeit, nach der Skyler Bowlin mit seinem fünften Dreier des Spiels das Momentum schnell wieder auf Würzburger Seite brachte. Bis zum Ende des dritten Abschnitts hatten die Gäste die Partie wieder im Griff und die Führung auf 55:74 ausgebaut. 

Auch in den ersten fünf Minuten des Schlussviertels bekam Bayreuth keine Gelegenheit mehr, entscheidend zu verkürzen - im Gegenteil: Julian Albus per Dreier und Devin Oliver mit einem Korbleger schraubten den Spielstand in der 35. Minute auf 62:87 - damit stand s.Oliver Würzburg endgültig als Sieger fest. In den letzten fünf Minuten durften die Gastgeber dann noch Ergebniskosmetik betreiben, während die Unterfranken in den Energiesparmodus schalteten, weil in drei Tagen bereits das nächste Duell gegen einen Playoff-Konkurrenten auf dem Spielplan steht: Am Freitag um 20:30 Uhr sind die Telekom Baskets Bonn in der s.Oliver Arena zu Gast. Am letzten Spieltag (Sonntag, 12. Mai, 18 Uhr) geht es dann zum nächsten Frankenderby nach Bamberg.

 

MEDI BAYREUTH - S.OLIVER WÜRZBURG 84:99 (22:30, 14:23, 19:21, 29:25) 

Für s.Oliver Würzburg spielten: 
Skyler Bowlin 18 Punkte/6 Dreier, Xavier Cooks 15/1 (8 Rebounds), Mike Morrison 14, Cameron Wells 14/1 (6 Assists), Brad Lösing 13/1, Devin Oliver 13/1, Florian Koch 6/2, Julian Albus 4/1, Fynn Fischer 2, Feix Hoffmann, Philipp Hadenfeldt.

Top-Performer Bayreuth: 
David Stockton 19/5, Eric Mika 16 (8 Rebounds), Nik Raivio 14/2, De‘Mon Brooks 13/1, Bastian Doreth 7/1 (8 Assists).

Key Stats
Wurfquote aus dem Feld: Würzburg 58 Prozent - Bayreuth 47 Prozent
Rebounds: Würzburg 35 (12 offensiv) - Bayreuth 27 (12 offensiv)
Dreierquote: Würzburg 46 Prozent - Bayreuth 39 Prozent

 

STIMMEN ZUM SPIEL

Mike Morrison, s.Oliver Würzburg: 
„Wir haben keinen richtigen Druck mehr, nachdem wir schon in einem Wettbewerb im Finale waren. Wir gehen raus, spielen hart und haben Spaß. Unsere deutsche Spieler bekommen durch unsere Verletzungen die Chance, sich zu beweisen. Wir haben das ganze Jahr hart gearbeitet und hoffen, dass wir die nötigen Siege holen können, um noch die Playoffs zu erreichen. Jetzt gehen wir mit derselben Einstellung in das Heimspiel am Freitag, spielen wieder hart und hoffen, dass es am Ende reichen wird, um Bonn zu besiegen. Ich liebe es vor unseren Fans zu spielen, sie sind großartig. Wir wollen im letzten Heimspiel noch einmal alles geben und ihnen unsere bestmögliche Leistung zeigen.“

Denis Wucherer, Headcoach s.Oliver Würzburg: 
„Wir sind zufrieden und froh, dass unsere Jungs gegen ein Bayreuther Team, das ich auch schon anders erlebt habe, heute quasi auf Knopfdruck die nötige Energie und die richtige Einstellung gefunden haben. Den Grundstein für den Sieg haben wir in der ersten Halbzeit mit einem guten Spiel als Mannschaft gelegt - 13 Assists waren ein guter Wert. Dazu kommt, dass wir trotz vieler kleiner Aufstellungen über vierzig Minuten sehr gut gereboundet haben. Deshalb geht der Sieg in Ordnung. Es ist schön, dass wir am Freitag vor unseren eigenen Fans gegen Bonn die Chance haben, am Playoff-Traum weiterzuarbeiten.“ 

Raoul Korner, Headcoach medi bayreuth: 
„Glückwunsch an Denis Wucherer zum Geburtstag und zum Sieg. Ich bin jetzt seit zwanzig Jahren Profitrainer als Headcoach und habe mich noch nie so für eine Leistung meiner Mannschaft geschämt wie heute. Was wir in der ersten Halbzeit fabriziert haben, war ein Witz, eine Frechheit und spottet jeglicher Beschreibung. Ich habe höchsten Respekt vor unseren Fans, ich wäre in der Halbzeit gegangen oder hätte gepfiffen. Dann trotzdem noch bis zum Ende anzufeuern und nach dem Spiel an der Bande zu stehen, abzuklatschen und zu applaudieren - Hut ab. Alles was sonst zu sagen wäre, wurde von den Spielern während der vierzig Minuten gesagt, dem habe ich nichts hinzuzufügen. Ich verstehe nicht, wie man für seine Leidenschaft bezahlt werden kann und so respektlos mit diesem Job umgeht. Ich hätte nicht gedacht dass es einmal irgendeine Truppe schafft, mir die Freude am Basketball zu nehmen.“ 

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